Wesen in Serie,  Alexandra Matzner, 2009

Wer erstmals auf die Malerei von Christina Gschwantner stößt, erfreut sich meist an der Leichtigkeit und Buntheit ihrer Bildwelt. Sie präsentiert Mondhasen auf Reisen, lässt rosa Ringelstrumpfschweine und Bikinimäuse in Reih und Glied antanzen, fügt Feder an Feder bzw. Kugel an Kugel, und zwischendurch wiegen sich zarteste Pflänzchen im Wind. Diese „Wesen“, und der Künstlerin ist wichtig darauf hinzuweisen, dass sie keine Tiere malt, entstanden in den letzten Jahren aus der geometrischen Urform der Kugel. Diese deutet sie im Zuge des Malprozesses immer wieder neu. Teilweise ist dieser langwierige Entstehungsvorgang, der von Zufällen wie auch intuitivem Erspüren der Notwendigkeiten geprägt ist, noch in den Titeln nachvollziehbar.

Die bereits eingangs erwähnte Leichtigkeit ist daher nur eine scheinbare. So wie die Wesen durch Formaffinitäten entstehen (aus einer Kugel kann ein Bauch aber genau so ein Kopf werden), so materialisieren sich diese Ideen erst durch schichtweises übereinander Malen derselben (daher kann auch aus einem Bauch dann ein Kopf oder auch etwas völlig anderes werden). Christina Gschwantner dreht und wendet die Leinwände, sieht, deutet die bereits gemalten Formen neu und schneidet sie meist mit Weiß aus. Das „Ziel“, das fertige Bild, kann für sie eigentlich nie erreicht werden, denn unablässig ließen sich ihre Bilder verwandeln. Durchscheinen, Stehenlassen, Transformieren, Verdichten und Erfühlen der Motive sind für die Künstlerin essentiell.

In den jüngsten Arbeiten – abgesehen davon dass die Farben immer „poppiger“ werden – bedient sich Christina Gschwantner einer fast rohen Malweise und des Hineinzeichnens in den noch feuchten Grund. Dadurch erhalten die Bilder eine neue strukturelle Ebene, die das Unbewusste der Bildgenesen in Form von frei aus dem Handgelenk sich entwickelndem Gekritzel noch unterstreicht. Sind in den letzten Jahren die Wesen vor einem undefinierten Hintergrund platziert worden, so bearbeitet Christina Gschwantner diesen nun und füllt ihn zunehmend mit amorphen Strukturen. Erst jetzt wird deutlich, dass sie implizit auch an der Frage von Form und Nichtform, von Figur und Grund gearbeitet hat. Das Verhältnis, in dem beide bislang zueinander gestanden haben, ist von Bipolarität geprägt. Es handelte sich schlussendlich immer um ein „Entweder/Oder“ und kein „Sowohl/Als auch“. Das Weiß als Grund definierte die Formen und beschrieb so die in einem Nichts schwebenden Wesen. Nun beginnt auch dieser Grund vielgestaltig zu werden: Christina Gschwantner weist ihn deutlich als gemalt aus und strukturiert ihn bildparallel. Das Nichts wird geordnet und durch die Körper zu einer (be)greifbaren Folie innerhalb des Bildgevierts. Gschwantners komplexes Verhandeln und Durchexerzieren von Form-Körper- bzw. Körper-Grund-Problemen erfolgt mit einer gewissen Fröhlichkeit in der Motivwahl, und das macht ihre Bilder so sympathisch.