Homo Ludens: Das Prinzip des Spielerischen im Bild

Skizze zum Werk Christina Gschwantners von Elisabeth Voggeneder, 2008

„Und er, der Mensch ist nur ganz wenn er spielt“ (Friedrich Schiller)

 

Seltsame Wesen, sonderbare Gestalten und pittoreske Figuren beleben Christina Gschwantners Leinwände. Buntfarbig und popig, kraftvoll und vital besiedeln sie Bildräume, beanspruchen sie ihre Umgebung gänzlich für sich oder versammeln sich in Gruppen zu Reih und Glied.

Diese wundersamen Geschöpfe entspringen dem Realen wie auch der Fiktion, sie erscheinen uns vertraut aber dennoch fremd. So tauchenMäuseköniginnen und Chamäleons auf, so lässt Christina Gschwantner aus einem Sessel eine Tiergestalt entstehen, so wächst aus einer Kreisform ein Käfer und daraus ein Vogel, so bildet ein Farbklecks Anlass für die Gestaltung eines Rüsseltiers; Ist das ein Elefant, oder? Nein, es ist eine Giraffe... 

Die Motivwelt Christina Gschwantners eröffnet Zwischenräume, indem sie vielfältige Blickwechsel vollzieht und Festlegung wie Definition verweigert. Ihr Werk situiert sich im Spannungsfeld von Phantasie und Humor. Obwohl damit mitunter der Anschein des Naiven entstehen kann, liegt eben darin ihre spezifische Ernsthaftigkeit. 

Ihr stringentes künstlerisches Verfahren beruht auf dem Prozess der Transformation der Form, der Verwandlung des Sichtbaren, auf dem Vorgang der Interpretation und dem Versuch ständiger Variation. Mit diesen Momenten erhebt Christina Gschwantner zur Maxim, was lange nahezu verpönt erschien: Das Prinzip des Spielerischen.

Homo ludens, der spielerische Mensch, steht seit Friedrich Schillers Über die ästhetische Erziehung des Menschen für die Erfahrung des Ästhetischen und Basis des Kreativen und bildet nach den Diskursen der Sechzigerjahre im Zusammenhang mit den Situationisten, in den Neunzigerjahren im Kontext virtueller Game- tools wieder ein innovatives Modell. Das Spielerische bedeutet also weit mehr als eine bildnerische Strategie, es ist eine Möglichkeit Position gegenüber der Welt zu beziehen, die auf neugierigem Staunen und dem lustvollen Versuch beruht. 

Das Procedere des Schöpferischen steht daher stets in enger Verbindung mit den Lebensfahrungen per se. „Don`t teach drawing, teach life, “ hatte Serge Poliakoff propagiert, den Christina Gschwantner gerne zitiert.

Vor diesem Hintergrund erschließt sich Christina Gschwantners Eigenart Bilder immer wieder zu überarbeiten, auch bereits fertiggestellte Werke neuerlich umzugestalten. Anreiz dazu geben gesehene Formen und deren Neuinterpretation, die Kommunikation zwischen den Farbebenen und die Erprobung neuer Bezüge.  Das Bild wird als lebendiger Organismus begriffen. Ebenso ergibt sich die Grenzüberschreitung als integralen Bestandteil des Werkverständnisses. So kommt es immer wieder zu einer Wechselwirkung unter den Medien. Es sind die Linie, der Strich und die Kontur, ebenso wie die Farbe, die Form und die Struktur, die ihre malerischen Arbeiten auf Leinwand tragen. Raum und Fläche, Rhythmus und Statik werden in wechselnden Möglichkeiten avisiert und bilden die Folie für die zeichenhafte Motivik. Signalhaft und illustrativ verbindet sich im Werk Christina Gschwantners Grafisches und Malerisches zu gekonnten Erzählungen voll spannungsreicher Ironie und heiterer Überraschung.